Leben wie im Kino

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Archiv für Mai 17th, 2007

Noch einmal “Sideways”

Verfasst von Marco Kranjc am Mai 17, 2007

Hier noch ein paar Gedanken zu “Sideways”, eine kleine Fortsetzung zum letzten Beitrag:

„Sideways” ist auch die Geschichte einer dicken Freundschaft. Miles und Jack kennen sich schon lange, sie kennen einander in- und auswendig. Sie könnten viel voneinander lernen. Die Frage ist: tun sie das?

Was hat es auf sich mit Miles’ besonderem Wein? Wann ist der richtige Zeitpunkt, die Flasche zu öffnen? Immer schiebt er das Trinken der Weinflasche vor sich hin. Er wartet auf den besonderen Moment. Solange, dass Maya ihn davor warnt, dass der Wein kaputt gehen könnte. Miles’ Wein ist nicht nur ein Zeichen seiner Leidenschaft für Wein, sondern auch ein Bild für alle verpassten Gelegenheiten und die Unentschlossenheit seines Lebens.

Jacks Entscheidungen, sogar die Entscheidung, zurück zu seiner Verlobten zu gehen und zu heiraten, sind nur mit Gewalt zu erzwingen:
Stefanie schlägt ihn zusammen.
Kurz darauf bringt ein gehörnter Ehemann ihn in eine heikle Lage.
Jack kann nur mit Gewalt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.
Zum Schluss heiratet er - klaglos. Aber - hat er sich wirklich dazu entschieden? Oder hat die Gewalt der Ereignisse ihn dahin gebracht? Oder war die ganze Reise für ihn nur ein Spaß, der seine Zukunft nicht weiter berührt? Oder hatte er Träume, die er sich eh nicht getraut hätte zu verwirklichen?

 Steht Jack am Wendepunkt? Jack ist zerrissen und lebt nur für und durch seine Gefühle. Er ist ein Getriebener, sein Ziel ist einfach: Sex. Er wird bald heiraten und hat doch Angst, etwas zu verpassen. Es schmerzt ihn, dass er mit der Hochzeit seine Freiheit aufgibt. Deshalb will er jetzt noch einmal seine Freiheit auskosten. Dabei ist er ein sehr kaltblütiger Lügner.
Und als er Stefanie kennen lernt, wird ihm alles zweifelhaft. Er will alles verlassen, mit ihr ein Weingut kaufen. Aber als sie sich von ihm trennt, reißt er schon die nächste Frau auf…Was soll das? Was für ein Typ ist Jack?
Seine Gefühle und seine Unsicherheit brennen komplett mit ihm durch. Seine Entschlossenheit, wenn es um Sex geht, bedeckt nur spärlich seine Unsicherheit, wenn es generell um sein Leben geht, um die großen Ziele und die wichtigen Entscheidungen. Wenn es darum geht, sich festzulegen. All das, allen Zweifel, alle Sorge, alle Zukunftsangst, betäubt er mit Sex.
Insofern ist er oft nicht anders als Miles, der seine offen sichtbare Unsicherheit in Alkohol ertränkt.

 Was ist nun „Sideways”?

Für mich…

- ein Film über den Mut, Träume zu haben und Chancen zu ergreifen.

- ein Film über Chancen, die schon lange da sind, die man sich nur nicht traut, zu ergreifen.

Eine Frage, die mich persönlich immer wieder beschäftigt: Ist es etwas Gutes oder etwas Schlechtes, etwas Bedrohliches oder etwas Spannendes, wenn man sich auch mit 40 noch oder wieder fragt, wohin das Leben eigentlich geht? Muss man irgendwann seine “Richtung” gefunden haben, oder kann (soll?) man sich immer wieder einmal neu “erfinden”? Ist es eine Typfrage? Oder eine des “Schicksals”?

Wie wirkt der Film auf Dich? Löst er besondere Gedanken oder Gefühle aus? Gibt es eine Person oder Situation, mit der Du Dich besonders identifizieren kannst?

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